Warum ich Ölpastellkreide so liebe: Erfahrungen & Tipps
Ich male inzwischen seit einiger Zeit mit Ölpastellkreiden und habe sie wirklich lieben gelernt. Am Anfang wirkten sie auf mich eher grob und etwas unhandlich … heute schätze ich genau ihre besonderen Eigenschaften. Denn wenn man weiß, wie man sie nutzt, machen sie unglaublich viel Spaß und eröffnen viele spannende Möglichkeiten.
Die Untergründe, die für mich gut funktionieren
Was ich an Ölpastellkreiden besonders mag: Man ist bei den Malgründen erstaunlich flexibel. Ob Papier oder Maplatte … für mich funktioniert beides sehr gut.
Papier
Ein echter Vorteil von Ölpastellkreide finde ich: Man braucht nicht zwingend teure Spezialpapiere. Für Softpastell würde ich hochwertige Pastellpapiere wie Pastelmat oder Canson Mi-Teintes Touch klar vorziehen, weil sie dort wirklich einen großen Unterschied machen. Die finde ich auch super … sie sind aber eben nicht ganz günstig. Mit Ölpastell kann ich auch auf Mixed-Media-Papier malen, dieses muss nicht mal unbedingt grundiert werden.
Malplatten
Ich habe bis jetzt gute Erfahrungen mit HDF-Platten und Gesso-Malplatten gemacht. Beides grundiere ich mit klarem Gesso vor. So bekommt die Oberfläche mehr Griff, und ich kann besser schichten. Sie fühlt danach fein-sandig an...

Warum ich gern mit einer Untermalung starte
Ich nutze sehr gern eine Untermalung unter der Ölpastellkreide. So beginne ich nicht auf einer ganz weißen Fläche, sondern kann schon grob Licht, Schatten und Farbflächen anlegen. Das macht den Start lockerer und lebendiger.

Ein weiterer Vorteil ist für mich, dass später nicht so schnell das Weiß des Untergrunds durchblitzt. Gerade weil es mit Ölpastellkreide ganz schön aufwändig sein kann, große Flächen vollständig auszufüllen, hilft mir eine Untermalung enorm. Das Bild wirkt dadurch von Anfang an geschlossener und stimmiger.
Für diese Untermalung kann man gut mit anderen Malmitteln arbeiten, zum Beispiel mit Acryl, Ölfarbe oder Gouache. Ich selbst nehme dafür besonders gern Gouache, weil sie schnell trocknet und für mich unkompliziert in der Anwendung ist.
Außerdem habe ich auch schon mit Leinöl experimentiert. Damit lässt sich die Ölpastellkreide fast wie Farbe verarbeiten. Gerade für eine erste lockere Farbschicht kann das sehr spannend sein. Man darf nur nicht zu viel Leinöl nehmen … sonst wird es schnell zu schmierig und braucht sehr lange zum Trocknen, fast wie Ölfarbe. Sennelier empfiehlt, Terpentin zum Verdünnen zu verwenden, dabei können aber schädliche Dämpfe entstehen.
Eher schwieriger wird es, wenn man später noch andere Malmittel darüber setzen möchte (da Ölpastell sehr fettig, cremig ist und darauf nichts haftet). Deshalb nutze ich Ölpastellkreide im Bildaufbau eher weiter oben oder zum Schluss.
Was ich am Schichten so mag
Das ist für mich einer der größten Vorteile. Mit Ölpastellkreide kann ich sehr gut Schicht für Schicht arbeiten und mich langsam ans Bild herantasten. Farben lassen sich wunderbar übereinanderlegen, verdichten und weiterentwickeln.

Meist beginne ich dunkler und setze die hellen Akzente erst später. Oft sind es genau diese letzten hellen Stellen, die ein Bild für mich richtig zum Strahlen bringen.

Wie ich Ölpastell verwische
Mit Ölpastellkreide lassen sich weiche Übergänge schaffen, aber auch lebendige Oberflächen. Durch ihre cremige Konsistenz lassen sich Farben sehr schön ineinanderarbeiten … mal ganz sanft, mal mit sichtbaren Spuren.
Am liebsten verwische ich mit den Fingern. Durch die Wärme werden die Farben noch geschmeidiger, und ich bekomme die Übergänge besonders schön hin. Gerade wenn man so arbeitet, finde ich es wichtig, auf ungiftige Ölpastellkreiden zu achten und sich danach die Hände zu waschen.
Größere Flächen sehr gleichmäßig aufzutragen ist aber im Vergleich zu Softpastellkreiden nicht so einfach, das ist eher ein Nachteil.
Warum ich den Spachtel so gern nutze
Auch das liebe ich an Ölpastellkreiden. Man kann Farbe mit dem Spachtel abnehmen und pastos auftragen. Dadurch entstehen spannende, fast dreidimensionale Stellen, die manchmal an Ölfarbe erinnern.

Ich mag dieses Spiel sehr: an manchen Stellen weich und verwischt, an anderen dick aufgetragen und deutlich sichtbar. Genau diese Abwechslung macht das Material für mich so lebendig.
Wenn der Spachtel zum Radiergummi wird
Der Spachtel funktioniert nicht nur zum Auftragen, sondern auch zum Wegnehmen. Beim Kratzen entstehen schöne Strukturen, zum Beispiel für Gräser oder feine Linien. Gleichzeitig kann man so auch korrigieren und Stellen neu anlegen.
Fast könnte man sagen: Der Spachtel ist bei Ölpastellkreide so etwas wie mein Radiergummi.
Warum ich Ölpastellbilder gern offen präsentiere
Auch beim Präsentieren haben Ölpastellkreiden für mich einen besonderen Reiz. Anders als Softpastelle müssen sie nicht unbedingt hinter Glas und Passepartout verschwinden.

Ich fixiere meine Bilder auf HDF-Platten gern mit einem speziellen Fixierspray für Ölpastellkreiden und rahme sie dann in einen Schattenfugenrahmen. So wirken sie fast wie kleine Ölgemälde.

Gerade wenn die Oberfläche sichtbar bleiben darf, kommt für mich ein wichtiger Teil des Materials erst richtig zur Geltung.
Softpastell oder Ölpastell?
Eigentlich lassen sich Ölpastell und Pastellfarben nur bedingt vergleichen, weil es einfach unterschiedliche Materialien mit unterschiedlicher Wirkung sind.
Im Vergleich werden für mich aber ein paar typische Stärken der Ölpastellkreide besonders deutlich: Sie ist z.B. nicht staubig, satter im Auftrag und etwas vielseitiger im Schichten, Verwischen und Strukturieren.

Auch beim Untergrund empfinde ich Ölpastell als unkomplizierter. Für Softpastell ist der Griff des Papiers viel wichtiger. Bei Ölpastell brauche ich das nicht zwingend. Ich kann auch auf Mixed-Media-Papier oder grundierten Malplatten sehr gut arbeiten.
Ein weiterer Vorteil ist für mich ist die geringere Empfindlichkeit des fertigen Bildes. Softpastell bleibt selbst nach dem Fixieren sehr heikel. Ölpastell ist auch nicht völlig unempfindlich, aber für mich im Alltag robuster und dadurch auch leichter zu lagern.
Natürlich hat das Material auch seine Nachteile. Ölpastellkreiden können anfangs grob und etwas unhandlich wirken, verschmieren leicht und brauchen etwas Übung. Wer sehr fein und kontrolliert arbeiten möchte, braucht mit ihnen oft Geduld. Und auch größere Flächen auszufüllen, finde ich mit Ölpastell deutlich aufwändiger als mit Softpastell. Softpastell wirkt dafür oft luftiger, leichter und an manchen Stellen feiner.
Ölpastellkreide ist kräftiger, direkter und manchmal auch etwas störrischer … für mich liegt genau darin aber ihr besonderer Reiz!

Dies sind ein paar weitere Bilder, die ich mit Ölpastellkreide gemalt habe. Auch Portraits lassen sich damit wunderbar malen!
Fazit
Ölpastellkreiden haben mich mit der Zeit wirklich überzeugt. Was anfangs ungewohnt wirkte, ist heute genau das, was ich an ihnen schätze: ihre Vielseitigkeit, ihre Leuchtkraft und die vielen Möglichkeiten, mit Oberfläche, Struktur und Kontrasten zu spielen.
Wenn man sich ein wenig auf ihre Eigenheiten einlässt, können sie unglaublich viel Spaß machen … und genau deshalb male ich heute so gern damit.
Materialien auf einen Blick
Hier findet ihr noch einmal gesammelt die Materialien, die ich für meine Bilder mit Ölpastellkreide gern verwende. Wenn ihr über diese "Affiliate-Links" bei Amazon bestellt, erhalte ich eine kleine Provision. Für euch bleibt der Preis natürlich gleich. Ihr unterstützt damit meine Arbeit und diesen Blog ganz unkompliziert. Danke euch sehr dafür!
- Ölpastellkreide von Sennelier: Das Set von Sennelier ist nicht billig. Die Kreiden sind dafür aber sehr cremig, reich an Pigmenten und haben eine hervorragende Deckkraft und Lichtechtheit. Das hat seinen Preis.
- Einfache, härtere Ölpastellkreide: Ich kombiniere das Set von Sennelier gerne mit diesem einfachen Produkt von Artecho. Sie sind nicht ganz so cremig und viel fester. Aber das finde ich gerade gut, wenn man mehr Struktur im Bild haben möchte.
- Papier: Der Vorteil bei Ölpastell ist ja, dass man kein teueres spezielles Pastellpapier benötigt. Ich verwende gerne das gelblich und das grau getönte CANSON Graduate Mixed Media Papier. Ich male ungern auf komplett weißem Papier. Wenn man möchte, kann man es noch mit klarem Gesso grundieren.
- Klares Gesso: Diese Grundierung verwende ich auf allen Oberflächen (egal ob Papier oder HDF-Platten). Sie ist die ideale Grundierung nicht nur für Ölpastelle, sondern auch für Pastellfarben, Graphit, Kohle, Acrylfarben und Ölbilder... Sie ist transparent und macht die Oberfläche nach dem Trocknen schön "sandig".
- Fixierspray: Ich verwende gerne dieses speziell für Ölpastellkreide entwickelte Fixierpray von Sennelier. Ich habe gute Erfahrungen damit gemacht, die Farben verändern sich kaum merklich und es verleiht ein schönes seidenmattes Finish.
- Leinöl: Mit Leinöl lassen sich die Ölapstellkreiden verflüssigen und man kann sie dann mit Pinsel vermalen (toll für Untermalungen). Ich verwende das Leinöl, das eigentlich für wasservermalbare Ölfarben gedacht ist. Es ist frei von Giftstoffen, es ist aber auch für normale Ölfarben geeignet.

